Leitbild des BBZ
 

Leitbild für Leidtragende

"Wer sind wir, was wollen wir, was können wir, was machen wir und wofür stehen wir?", sind die entscheidenen Fragen, denen sich die Mitarbeiter des Niebüller Beratungs- und Behandlungszentrums (BBZ) seit über einem Jahr gestellt haben. Ziel der Fragen war es, unter der Anleitung von Christoph von Strizky, der im Kirchenkreis Südtondern für die Förderung der Zusammenarbeit und die Mitarbeiterqualifizierung zuständig ist, ein "Leitbild" für die Arbeit und das Selbstverständnis im BBZ zu erarbeiten. "Mit der Entwicklung dieses Leitbildes wollen wie einerseits die Identifikation der Mitarbeiter in ihren unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern mit dem BBZ fördern", erläutert BBZ-Leiter Bernd Funk die intensive gemeinsame Suche nach einem Leitbild. "Mit dem Leitbild schaffen wir aber auch Klarheit für unsere Klientel über das Profil des BBZ und seines Angebots."

Auch die Erwartungen des Träger der Einrichtung, das Diakonische Werk im Kirchenkreis Südtondern, würden durch das Leitbild ebenso erfüllt, wie die Klärung der Unterschiede zu anderen Anbietern aus dem Sozialmarkt.

"Grundlage unserer Arbeit ist die vertrauensvolle persönliche Begegnung -- unabhängig von der Weltanschauung", heißt es im Leitbild des BBZ. "Wir sind ein Beratungs- und Behandlungszentrum mit einem in verschiedenen Fachrichtungen ausgebildeten Team. Wir verstehen und als Fürsprecher zur Erreichung verbesserter sozialer Angebote in unserer Region." Gerade das Zusammensein aller Abteilungen seit gut einem Jahr unter einem Dach habe die Entwicklung des Leitbilds seiner Einrichtung und die Verwirklichung dessen Anspruchs deutlich gefördert, beurteilte Bernd Funk die Bedeutung des Leitbilds für die stark gewachsene Nachfrage nach Hilfen durch das BBZ

Mit kurzen Wegen und der dadurch kurzfristig möglichen fachübergreifenden Beratung erleichtern wir den Ratsuchenden, offen über alle Probleme reden zu können. Früher ging auf dem Weg von einer Abteilung zur nächsten schon mal einer unserer Klienten verloren, weil er Angst davor bekam, seine Geschichte noch einmal erzählen zu müssen."

Das Angebot des BBZ umfasst nicht nur die Beratung und Behandlung von Suchtgefährdeten und Suchtkranken, sondern neben der Suchtvorbeugung auch die Beratung bei Erziehungs-, Partnerschafts- und Lebensfragen, die Schwangerschaftskonfliktberatung, die Schuldnerberatung und die Sozialberatung. Und es ist einsichtig, dass die Vielschichtigkeit der meisten Notlagen Teamarbeit erfordert.

"Wir wollen die Menschen, die sich an uns wenden, annehmen und offen, wertschätzend und unterstützend begegnen", heißt es in dem von allen Mitarbeitern erarbeiteten und getragenen Leitbild des BBZ. "Die von Gott geschenkte Würde und die Einzigartigkeit jedes Menschen ist achtens- und schützenswert." Den Menschen zu stärken, sein Leben besser gestalten zu können, ist das gemeinsame Ziel aller im BBZ.

 

Teamgeist statt Konkurrenz

Was ein Jahr lang einen dicken Ordner unter der Überschrift "Leitbild für das Beratungs- und Behandlungszentrum" gefüllt hatte, musste für die Öffentlichkeit zusammengefasst werden. Das Ergebnis ist ein Lesezeichen aus starkem Papier mit blauem Band und prägnanten Kernsätzen. Bei einem Frühstück in dem Niebüller zentrum für das Mitarbeiter-Team um Bernd Funk, zu dem Auch Diakoniepastor Bernd Redling und Christoph von Stritzky vom Kirchenkreis-projekt eingeladen waren, wurde das Konzept gewürdigt. Grundgedanken erläuterten Bernd Funk, Bernd Redlin und Christoph v. Stritzky im Gespräch mit unserer Zeitung.

Hinter einem Leitbild müssen Mitarbeiter stehen, die sich mit den gesteckten Zielen identifizieren können. Dazu ist es nötig, sich in einem team zusammenzufinden. So die beiden Eckpunkte, die die täglichen Aufgaben bestimmen. Diakoniepastor Redlin erinnerte an die Ausgangssituation. Erst seit gut einem Jahr arbeiten die Psychologen und Sozialpädagogen der verschiedenen Einrichtungen des Diakonischen Werkes in einem Haus in der Westerklandstraße 3 zusammen. Vorher hatte der Kirchenkrei Südtondern die Angebote: Suchtberatung und Behandlung, Hilfe bei Erziehungs-, Partnerschafts- und Lebensfragen, im Schwangerschaftskonflikt, bei chulden und die Vermittlung von Mutter-Kind-Kuren in zwei Zentren untergebracht. Dann der Kauf der ehemaligen Niebüller Landwirtschaftsschule und der Beginn eines Alltags im großen Team mit rund zehn Kollegen und sozialer Nähe durch das Arbeiten Tür an Tür.

"Alle unter einem Dach" steht inzwischen für ein stärkeres Profil. Doch am Anfang gab es erst einmal heftige Diskussionen -- diese haben ein produktives Ende mit dem Leitbild gefunden. Christoph v. Stritzky, der alle Fäden zusammengetragen hatte, hob hervor, dass es wichtig ist, die unterschiedlichen Fähigkeiten zu integrieren: "Mehrere Leute in einem Raum sind noch kein Team". Jeden Morgen um 8 Uhr beginnt die Arbeit im Zentrum mit einer Gemeinschaftssitzung. "Infobörse" nennt Leiter Bernd Funk dieses Treffen, bei dem der Tag organisiert wird. Dies schafft nach seiner Erfahrung "eine Durchlässigkeit, die Vertrauen fördert". Und so heißt es in der Kurzfassung auf dem Leitbild-Lesezeichen: "Grundlage unserer Arbeit ist die vertrauensvolle persönliche Begegnung -- unabhängig von der Weltanschauung."

Beim Punkt "Identifikation" wird der wichtigste Lernaspekt berücksichtigt: "Wir stellen uns aktiv, zukunftsorientiert und kritisch den gesellschaftlichen Ansprichen. Wir sind eine lernende Organisation." Auch mit Blick auf die eigene Qualität, um Konkurrenz begegnen zu können, wurde in der Runde deutlich. Christoph v. Stritzky hob hervor, dass Mitarbeiter nur dann engagiert sein können, wenn ein gemeinsamer Prozess dahinter steht. Schließlich geht es darum, als "Fürsprecher" die sozialen Angebote in der Region zu verbessern. "Jeder der engagiert arbeitet, macht Fehler und nur aus Fehlern lernt man, um innovativ zu sein." So lautet sein Plädoyer dafür, erst zu schauen, was gut ist.

Wie die Klienten das Beratungszentrum beurteilen, soll mit einer Umfrage, die über ein privates Büro läuft, ermittelt werden. Fragebögen liegen im Zentrum aus. Nach einem Jahr soll die Aktion wiederholt werden.